über Suiseki

Suiseki verstehen, oder was ist Suiseki….

(…) Hier habe ich einen fast schwarzen, glänzenden Stein, der in unserer Kultur kaum beachtet würde. Erst durch wissende Hinweise lässt er sich richtig betrachten:

In seiner Form wird das Abbild einer Landschaft sichtbar. Er kommt aus Japan und entstammt einer künstlerischen Tradition, die sich Suiseki nennt, eine Kulturpraxis, die bis in die Steinzeit zurückgeht. Schon damals eigneten sich Menschen solche gefundenen, völlig unbearbeiteten Steine an und bewahrten sie als Kostbarkeit auf. In Japan konnten sich Menschen, die auf engstem Raum leben mussten, zu einer Zeit, als es noch keine Holzschnitte oder Fotografien gegeben hat, in Gestalt solcher Steine Abbilder einer freien Natur in ihren Haushalt stellen. Als Tradition lebt das auch im heutigen Japan fort. Daran lässt sich sehr schön verstehen, was es mit Medien an sich hat. Ein solcher Stein ist ein Medium, indem er eine Landschaft darstellt. Ohne Hinweis darauf würde er jedoch ignoriert, würde er bloß daliegen und irgendein Stein sein. Im Moment, wo die Artikulation des Künstlers dazukommt, der zeigende Finger also, denke ich plötzlich nach, was er zu bedeuten hat.
Der Zeigefinger ist ein frühestes Instrument der Kunstausübung, ob er nun auf eine Wolke oder auf das nicht so leicht erkennbare Abbild irgendeines Wesens aufmerksam macht. Das Zeigen auf den Stein veranlasst mich, ihn zu untersuchen. Ich werde plötzlich sehen, dass er einer weiten Berglandschaft, mit einem Tal, vielleicht mit einem Fluss, ähnlich ist. Wo aber bleibt nun der Zeigefinger wenn der Finder/Erfinder des Kunstwerks nicht mehr zugegen ist? Um dieser erklärenden Funktion Dauer zu geben, schneidet in unserem Fall der Künstler dem Stein einen Rahmen auf den Leib, der genau passt, der ihn als Sockel exakt umschließt. Da wackelt nichts, auch wenn man daran rüttelt. Jetzt ist das plötzlich ein Bild und darunter ist der Rahmen, so wie auch in der Malerei der Rahmen die Aufgabe hat zu sagen, Freund, nach innen musst du schauen. Was innerhalb des Rahmens ist, geht dich etwas an, innerhalb ist das, was ich mitteilen will. Der Stein wird also vom Rahmen umschlossen und dadurch zum Bild. Er wird zur plastischen Darstellung einer Landschaft, obwohl er völlig unbearbeitet ist. Er muss unbearbeitet sein, sonst gilt es nicht nach den Regeln des Suiseki. Er muss von der Natur vor/bereitet sein, gesucht werden, erkannt werden und selbst angeeignet werden. (…)

Wir danken dem Künstler/Philosophen Peter Kubelka und dem Herausgeber Christian Reder für die freundliche Erlaubnis den Text hier verwenden zu dürfen.

…Danke auch an Michael Hach…